17. Januar 2016 AdminPreboeckRotter

„Nur“ Freizeitreiter?

Immer wieder während meiner Tätigkeit als Trainerin mache ich die Erfahrung, dass Pferdebesitzer zu mir kommen, mit ihrem Pferd arbeiten und vorankommen wollen und sich schon vorab „entschuldigen“ mit den Worten: “ Ich bin ja nur Freizeitreiter.“
Nur Freizeitreiter, was soll das heißen? Überlegen wir doch einmal was wir so alles mit unseren Pferden machen können, wobei sie uns Spaß bereiten und wie vielseitig sie doch sind….

 

Wie Sie auf Wikipedia lesen können erwarten wir von einem Freizeitpferd ganz schön viel. Es wird nur 3 – 4 mal die Woche geritten oder bewegt. Diese drei, vier Mal wenn wir dann kommen, soll es bitte aber auch gleich funktionieren. Ob Bodenarbeit, Reitlektionen auf dem Platz oder in der Halle, Ausreiten, mal eben schnell Verladen und an einem Wanderritt teilnehmen. Eben ein ausgeglichener,  gut ausgebildeter Allrounder sollte es sein. Wir wollen an kleinen Dressurprüfungen genauso teilnehmen können, wie an Spaßturnieren. Auch Westernreiten und natürlich Zirkuslektionen sind gerade hoch im Kurs. Und wir erwarten nicht nur dabei mitzumachen, sondern wollen dabei auch gut abschneiden und uns nicht blamieren. Wenn wir Besuch bekommen, sollen bitteschön auch die Kinder darauf reiten können, unerschrocken soll es sein, bei jeder „Gefahr“ besonnen reagieren und mit uns vertrauensvoll brenzlige Situationen meistern. Gut erzogen, das ist sowieso kein Thema.

Aber wie sieht es mit uns aus? Verstehen wir, was das Pferd uns sagen möchte? Können wir seine Reaktionen richtig deuten? Gehen wir auf die Bedürfnisse unseres Pferdes wirklich ein? Viel zu oft beobachte ich leider das Gegenteil. Da wird über den „Scheißbock“ geschimpft, der einen wieder einmal nur verarschen möchte, da wird wie wild am Zügel gezogen und mit den Sporen gebohrt. Nicht richtig warm geritten, sondern nach einer Zigarettenlänge oder einem kleinen Tratsch mit Mitreitern gleich mal richtig losgelegt, im Galopp versteht sich. „Ich schone mein Pferd nicht, da muss er durch!“ Danach wird das Pferd wieder in die Box verfrachtet…bis zum nächsten Mal.

Wollen wir so mit unseren Partnern wirklich umgehen? Ich nicht! Es liegt an uns die Sprache der Pferde zu erlernen um mit ihnen kommunizieren zu können. Wir sollten lernen am Boden und im Sattel leichte und korrekte Hilfen zu geben, einen unabhängigen Sitz zu erlangen, einfühlsam zu werden. Pferdebesitzer, die sich dessen bewusst sind und dazu lernen wollen, wie auch immer, sind in meinen Augen nicht „nur“ Freizeitreiter. Es sind verantwortungsbewusste, ambitionierte Menschen, die im Sinne ihres Pferdes handeln wollen um so lange wie möglich einen gesunden und motivierten Partner zu haben.

 

 

 

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