Erwartungshaltung und Erfolg

Kennt Ihr das?

Wir sind voll motiviert und nehmen uns vor von nun an jeden Tag mit unserem Pferd, bzw. Pferden zu arbeiten, schließlich muss da ja was vorwärts gehen!!!
So ging es mir letzte Woche. Meine beiden Jungs und ich sind auf dem Land zuhause. Ein schöner Offenstall, aber leider ohne Halle um auch bei schlechter Witterung regelmäßig zu trainieren was man sich so schwer erarbeitet hat. Zum Glück habe ich die Möglichkeit in einem Stall, ca. 10 km von uns entfernt, die Reithalle gegen ein kleines Entgelt zu nutzen. Um die Fahrt dorthin auch sicher zu nutzen habe ich beschlossen gleich beide Pferde einzuladen und während ich mit dem Einen in der Halle arbeite, kann der Andere draußen auf einem Paddock gemütlich Heu fressen und sich entspannen…. So zumindest der Plan.
Also beide Pferde rein in den Hänger, was kein Problem darstellt und los gehts. In der Reitanlage angekommen, erstmal Ausladen…wen von Beiden nehme ich denn nun als Ersten? Den kleinen Joker, der noch sehr unsicher ist, weil erst seit gut 3 Monaten unter dem Sattel oder Aladin meinen reiseerprobten Senior. Kurzentschlossen der Joker startet. An der Anbindestange war noch alles in Ordnung, beide Pferden stehen ruhig nebeneinander während ich Joker aufsattle und vorbereite. Aladin wird auf das Paddock mit ausreichend Heu verfrachtet. Kaum bin ich mit Joker in der Halle um vor dem Reiten noch etwas Bodenarbeit zu machen, die Basics quasi zuerst abrufen, geht das Gewieher los… Der Joker schreit nach Aladin, von draußen kommt das Echo zurück. Noch nie war der Kleine so durch den Wind. Wenn ich mit ihm alleine unterwegs bin ist er die Coolness in Pferdegestallt. Heute ist er kaum zur Konzentration zu bewegen, Kopf oben, wildes Rumgebuckel, die einfachsten Übungen funktionieren nur fadenscheinig. Trotzdem: Rauf auf’s Pferd. Meine Reitlehrerin wartet schon. Das erste Mal bei Ihr Unterricht mit dem Neuling unter dem Sattel. Ich war soooo stolz die letzten Male, wie toll er alles gemacht hat und heute: NIXN…!!! Ok…. 😳 Noch bin amüsiert und ruhig, denke an das, was ich vom Martin (Kreuzer) gelernt habe, ohne Emotion und immer gerecht bleiben. Steter Tropfen höhlt den Stein…
Nach einer halben Stunde beenden wir die Einheit und ich tausche die Pferde. Währenddessen werde ich von „Passanten“ auf dem Reiterhof etwas schräg von der Seite gefragt, ob meine Pferde noch sehr jung und unerfahren währen, da so unruhig und aufgeregt. Und ob da wohl arabisches Blut eine nicht unerhebliche Rolle spielen würden – nerv!!! 👿
Wieder zurück zur Halle, nun mit Aladin, und Joker kommt auf’s Paddock. Ich muss erwähnen, dass ich vor gerade mal 3 Wochen auf einem Wochendendkurs im Bayerischen Wald in der Martin Kreuzer Akademie war und ich dort sozusagen einen absoluten Höhenflug hatte, was die reiterliche Kunst auf Aladin betrifft. Vor nicht einmal einem halben Jahr bin ich nach 10 Jahren Westernkandarre auf ein einfaches Snafflbit umgestiegen und Aladin lief einfach nur butterweich! Meine Reitlehrerin schon eher skeptisch: „Snafflbit und Einohrzaum – sportlich…!“
Na, dir beweise ich, dass es super funktioniert! Denkste…!! Aladin hat nur die Rübe oben, wie früher (soviel zum Thema: Trinker der Lüfte), ist kaum zu bremsen, rennt praktisch unter mir davon und dazwischen ab und an ein herzzerreissendes Wiehern nach seinem Kumpel draußen. Mehr als auf dem Zirkel reiten und zu versuchen das Ganze irgendwie einigermaßen zu kontrollieren ist nicht drin. Ich bin den Tränen nahe…würde am liebsten sofort vom Pferd steigen und für immer aufhören mit dem Reiten! Ich bin einfach zu doof dafür…!! Irgendwie überstehen ich und auch meine Pferde den Ausflug in die Nachbarschaft dann doch. Den ganzen Heimweg überlege ich im Auto, was da wohl schief gelaufen ist….??

Mein Fazit 💡 : Zu viel Erwartung, ob nun an mich selbst, oder an meine Pferde, macht die ganze Sache einfach unentspannt. Meine Angespanntheit überträgt sich ungefiltert auf die Pferde und blockiert. Keiner sagt, dass es immer auf den Punkt funktionieren muss. Warum muss ich irgend jemandem beweisen wie toll wir sind? Der Umgang miteinander, ob am Boden, oder auf dem Rücken des Pferdes, soll Spaß machen und zwar beiden Parteien. Wir sollten nicht mehr zählen wie oft wir etwas versuchen, das Pferd tut es ja schließlich auch nicht. Laßt uns Freude mit einander haben und den Leistungsdruck, den wir uns meist selbst auferlegen, einfach mal beiseite schieben. Ihr werdet feststellen, das macht so Einiges um so Vieles leichter.

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